Traveller 19/2020

28 19 | 2020 Interview Marion Geoffroy Mit Wizz fliegen Sie umweltfreundlich Es ist eine verzwickte Situation für die Airlines. Mit der aufkommenden Klimabewegung in den vergangenen Jahren gerieten sie mehr und mehr ins Kreuzfeuer von Klimaaktivisten und Konsumenten. Schnell mussten Lösungen her für eine Branche, die aufgrund mangelnder Innovationskraft in den letzten Jahrzehnten, nun ordentlich unter Druck geriet. Die Benutzung eines Elektroantriebes liegt aufgrund des ungeheuren Energieaufwands eines Flugzeuges noch in weiter Ferne, synthetische Treibstoffe sind aktuell zu teuer in der Produktion und Kompensationsprogramme verlagern das Problem auf die Konsumenten. Dennoch ist sich Marion Geoffroy, Chief Corporate Officer bei Wizz Air, sicher, eine der umweltfreundlichsten Airlines in Europa voranzutreiben und erzählt im Interview wie umweltfreundliches Fliegen funktionieren kann. traveller:Wie geht esWizz Air aktuell während der COVID-19 Pandemie? MarionGeoffroy: Wizz Air geht es, wennman die aktuellenUmstände berücksichtigt, ganz gut. Die Airline konnte sich schnell und effizient bereits zu Beginn der Pandemie an die herausfordernde Situation anpassen. Wir haben die richtigen Ent- scheidungen getroffen und konnten Vorteile aus vielen kommerziellen Möglichkeiten gewinnen – z.B. konnten wir eine Vielzahl an neuen Basen eröffnen undmehr als 260 neue Routen seit Beginn der Krise anbieten. Gerade dahingehend war die Krise für uns ein Beschleuniger dieses Erfolges – das volle daraus resultierende Ausmaß ist aber noch nicht erkennbar, immerhin befindenwir uns noch nicht am Ende der Pandemie. Es gibt nach wie vor noch viele Einschränkungen in allen Län- dern, weshalb auch die Nachfrage noch nicht wieder auf demNiveau des Vorjahres ist. Wir hat- ten jedoch einen überaus guten Sommer, in dem wirmit einer Auslastung von 80%fliegen konnten. Außerdemwaren wir eine der ersten Airlines, die ihren Betrieb im April und Mai ohne große Ein- schränkungen fortsetzen konnten. Wizz Air befand sich nie vollständig amBoden, wir konnten immer ein kleines Streckennetz aufrechterhalten und natürlich führten wir Anfang des Jahres haupt- sächlich Rückführungs- und Frachtflüge durch. Wir hatten immer Beschäftigung für unsere Mit- arbeiter. Sie mussten sich jedoch bereits von einemTeil der Belegschaft trennen? Ja, diese Entscheidung wurde sehr früh getroffen, jedoch mussten wir sie nur einmal treffen. Im Aprilmusstenwir uns von 19%unserer Belegschaft trennen, abermit demVersprechen an die betrof- fenen Personen, sie sobaldwiemöglichwieder zu rekrutieren. Seither konntenwir unsereMitarbei- ter halten, obwohl viele aufgrund der fehlenden Nachfrage nachwie vor nicht fliegen. Wir bleiben jedoch ein Teamund hoffen, dass Flugreisen bald wieder uneingeschränkt möglich sein werden. Welche Destinationen werden aktuell bzw. in derWintersaison angeflogen? VieleDestinati- onen ab Wien wurden bereits gestrichen? Zurzeit bietenwir nur eine geringe Anzahl an Flü- gen abWien an. Für dieWintersaison erwartenwir uns eine gesteigerte Nachfrage (mehr Informatio- nen dazu finden Sie im Interviewmit Andras Rado unter https://bit.ly/33IjBwy) . Nach aktuellemStand gehen wir davon aus, 45 % unserer Kapazitäten während der Weihnachtsfeiertage bedienen zu können. Wie wird es Wizz Air nach der Krise gehen? Unser Geschäftsmodell, das ja bereits 16 Jahre alt ist, hat sich als sehr erfolgreich erwiesen und wir glauben, dass es sich auch nach der Krise umso mehr bewährenwird. Wir fliegen kaumGeschäfts- reisende, das ist nicht unsere Zielgruppe. Wir fliegen Freunde, Familien und junge Menschen – dasDurchschnittsalter unserer Passagiere beträgt gerade einmal 38 Jahre. Besonders nach der Krise werden Kunden extrem preissensibel sein, wes- halb der Bedarf an günstigen Tickets relevant sein wird. Unsere Kostenbasis ist niedrig, sie wirdwei- terhin niedrig bleiben und wird vielleicht sogar noch niedriger werden. Wir haben ein einfaches und klar strukturiertes Businessmodell: Wir haben die jüngste Flotte in Europa – unsere Flugzeuge sind im Schnitt gerade einmal fünfeinhalb Jahre alt –wir haben die neuesten Technologien anBord – das ist der relevanteste Teil unserer Kostenbasis, wodurch wir weniger Flugzeug- und Treibstoff- kosten erzeugen und dadurch unseren Passagie- ren ein günstiges Produkt anbieten können. Und geradeweil der Flug so günstig ist, könnenKunden sehr flexibel zwischen mehreren Angeboten an zusätzlichen Serviceleistungen wählen, wie freie Sitzplatzwahl, weitere Gepäckstücke oder der Wizz-Flex-Option, mit der der Flug kostenlos um- gebucht werden kann. Wie hoch ist die aktuelle Auslastung der Flug- zeuge? Aktuell habenwir eine Auslastung von 65 bis 66% an Bord, was bereits eine deutliche Verbesserung seit Beginn der Krise darstellt. Unsere Kapazität liegt jedoch nachwie vor bei 20%, wir hoffen des- halb diesemit demWeihnachtsgeschäft ankurbeln zu können. Sie werbenmit den niedrigsten Emissionen in Europa – ist Klimaschutz bei gleichzeitigem Wachstum überhaupt möglich? Das ist eine sehr gute Frage. Wenn Sie Wizz Air anschauen, denke ich, sindwir ein sehr gutes Bei- spiel für nachhaltiges Wachstum. Wir haben, wie bereits erwähnt, eine sehr junge Flotte und wir © Földházi Árpád, Martin Steiger

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