Traveller 18/2020

2 18 | 2020 Kommentar V erreisen Sie eigentlich gerne? Entdecken Sie gerne neue Länder, fremde Kulturen und andere Lebensweisen? Lernen Sie gerneMen- schen und deren Traditionen kennen? Sind Farben, Gerüche und Geschmäcker exotischer Küchen auch für Sie ein erholsamer Genuss, auf den man sich das ganze Jahr freut? Bestimmt wissen Sie, woman diese und noch viele weitere Reisesehnsüchte erfüllt bekommt? Genau, in den Reisebüros, denn nur dort ist die ganze weite Welt zu Hause. Nur dort fühlt, schmeckt und riecht man bereits beim ersten Gespräch das Reiseerlebnis. Nur dort gibt es das geballteWissen über alle 194 bereisbaren Länder, nur dort gibt es die Erfüllung des Reisewunsches mit dem unverrückbaren Kaufversprechen von Sicherheit und Kompetenz. Nur dort bemühen sich Experten um den reisefreudigen Kunden. Denn Reisebüros leisten ehrlichen Dienst am Kunden – gestern, heute und – so Sie’s endlich zulassen – auch morgen noch! Herr Bundeskanzler, Herr Finanzminister: Es steht mehr als Spitz auf Knopf, dass diese kunden- und serviceorientierte Branche, die seit 16. März imLock- down ist, die dennoch unermüdlich für ihre Kunden da war und ist, die als einziger Berufsstand alle Kundengelder zurückbezahlt hat, die fast zuhundert Prozent Umsatzrückgänge und kaum Neubuchungen aufweist – wie auch, wenn Verreisen durchwirre Reisebeschränkungen verunmöglicht wird – völ- ligmittellos dasteht, und JETZTdenBach runtergeht.Weil vondemvon Ihnen, werte Bundesregierung, bereits vor Monaten versprochenen „speziellen“ Hilfspaket noch immer nichts zu sehenund vor allemzu spüren ist. Da ist kein Licht am Ende des Tunnels, vielmehr haben Sie mit der Verordnung zum Lockdown II dieser wohl amhärtesten vonder Coronakrise getroffenenBran- che noch den letzten Funken Hoffnung ausgeblasen. Ehrlich, wie würden Sie sich fühlen, wenn man Ihnen sagt, Sie MÜSSEN das Licht nicht abdrehen, aber wenn Sie’s tun, gibt’s keinen Strom mehr? Dann ist’s auch finster, oder? Genau das machen Sie jetzt mit den Reisebüros, die, da sie keine körpernahenDienstleister sind, ihre Standorte imzweiten Lock- down offen lassen können bzw. müssen. Es gibt zwar nichts zu verkaufen, da touristische Reisen aufgrund von Reisewarnungen und Ihrer „Empfehlung“, Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, sehr geehrter Herr Finanzminister, sehr geehrte Bundesregierung IMPRESSUM Firma des Medieninhabers: Manstein Zeitschriftenverlagsges.m.b.H., EURO PLAZA 5, Gebäude J1, Kranichberggasse 4, 1120Wien | Internet: www.manstein.at | Tel.: +43-1/866 48-0 |Fax: +43-1/866 48-100 | E-Mail: office@manstein.at | Diese Ausgabe erscheint ausschließlich als E-Paper | Verlagsort: 1120Wien | Anschrift des Medieninhabers, der Redaktion und des Herausgebers: 1120Wien, Kranichberggasse 4 | Gründer: Prof. Hans-Jörgen Manstein | Aufsichtsrat: Klaus Kottmeier, Peter Ruß, Peter Kley, Angela Wisken | Name des Herausgebers: Mag. Dagmar Lang, MBA | Vertretungsbefugte Organe: Mag. Dagmar Lang, MBA, Geschäftsführerin, Mag. Markus Gstöttner, Geschäftsführer Alle anderen im Mediengesetz (§25 MedienG) aufgelisteten Angaben finden Sie unter: www.traveller-online.at/impressum | Titelbild: www.chaluk.com traveller – INDIVIDUELL | AKTUELL | UNABHÄNGIG Chefredakteurin: Brigitte Charwat | Sales &Marketing: Michaela Siebenhaar, Elke Rakwetz | Redaktion: Brigitte Charwat, Michaela Siebenhaar, Gabriela Artner, Nadine Vejnoska, Ilona Urban | Online-Redaktion: Nadine Vejnoska, Elke Rakwetz, Alice Morscher | Sekretariat: Ilona Urban (DW 434 / i.urban@traveller-online.at ) | Aboverwaltung: vertrieb@manstein.at | Produktion: Georg Vorstandlechner (g.vorstandlechner@manstein.at) | E-Mail: redaktion@traveller-online.at | www.traveller-online.at, www.facebook.com/travelbruno Zu Gunsten der einfacheren Lesbarkeit wird sowohl für die männliche wie die weibliche Form die männliche Form verwendet. Unsere Texte richten sich in gleicherWeise an Frauen und Männer. aktuell nicht zu reisen, nahezu unmöglich sind. Müsste man dafür ja die ei- genen vier Wände verlassen, und das zählt lockdownbedingt nicht zu den vier Ausnahmen. Die Reisebürounternehmer, mehrheitlich langjährige und brav steuerzahlende KMUs, können nun zwischen Pest oder Cholerawählen. Heißt: Offen lassen, auch wenn keine Kunden, selbst wenn diese wollten, kommen können oder schließen, weil für nichts und wieder nichts geöffnet zu haben, unternehmerisch – das werden Sie, Herr Finanzminister, bestätigen – null Sinn macht. Letztlich ist’s egal, denn so oder so gibt es keine Umsatz- entschädigung, weil man dafür eben behördlich geschlossen sein müsste. Ganz schön dreist, möchtemanmeinen. Aber vielleicht sollten die Reisepro- fis die Branche und ins Glückspiel- oder Waffengewerbe wechseln. Denn verstehe wer wolle, diese beiden Zünfte unterliegen nicht der Schließung und dass Waffen unter dem Begriff „Notfallprodukt“ erlaubt sind, ist eine weitere Pikanterie am Rande. Herr Bundeskanzler, gehen Sie bitte nochHEUTE in ein Reisebüro und hören Sie sich die Verzweiflung einer Branche an, die gelernt hat, mit großenKrisen zu überleben. Nur Corona ist, wie sie wissen, mit nichts vergleichbar. Die Zeit vertröstender wohlmeinender Worte ist vorbei, helfen Sie endlich konkret, die Zukunft einer ganzen Branche und damit den Fortbestand von mehr als 2.500 Betrieben mit mehr als 10.000 Arbeitsplätzen zu retten.

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