Türkei: Tourismus erholt sich

Nach Jahren der Flaute buchen die Österreicher heuer wieder verstärkt Urlaub in der Türkei. Eine Reihe von Terroranschlägen und der Putschversuch 2016 haben die Touristen in den vergangenen Jahren abgeschreckt. „Die Türkei ist wieder im Kommen“, bekräftigte der Österreich-Chef des hierzulande zweitgrößten Reiseveranstalters Thomas Cook, Ioannis Afukatudis, im Gespräch mit der APA.

Auch bei Österreichs größtem Pauschalreiseanbieter TUI ist die Nachfrage nach Ferien in dem Land zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer heuer spürbar angesprungen - mit einem Buchungsplus für den Sommer von mehr als 200 Prozent gegenüber 2017. „Wir haben unsere Flugkapazitäten in die Türkei um 250 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aufgestockt - daran sieht man, dass wir mit einer Rückkehr der Türkei gerechnet haben“, sagte TUI-Österreich-Sprecherin Kathrin Limpel. Der aktuelle Zuwachs liege über den Erwartungen.

Im abgelaufenen Jahr wurde das Land - nicht zuletzt wegen extrem massive Preisnachlässe im Tourismus und ausverkaufter Ausweichdestinationen - wenn überhaupt, dann vor allem „last minute“ gebucht. „Ein großer Unterschied zum Sommer 2017 ist, dass die Türkei-Reisen heuer bereits sehr früh gebucht werden“, stellte Limpel fest.

Sowohl bei TUI als auch bei Thomas Cook ist die Türkei das drittbeliebteste Flugpauschalreiseziel der Österreicher - auf den vorderen Plätzen rangieren Griechenland und Spanien. „Die Türkei ist heuer sehr stark nach zwei, drei Jahren der Abstinenz der Österreicher“, berichtete Afukatudis.

Die politische Lage ist dort zwar unverändert, doch die Türkei ist in den Medien nicht mehr so stark in den Schlagzeilen. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich Touristen nicht politisch interessieren, solange es sie als Urlauber nicht betrifft“, sagte der deutsche Marktforscher Martin Lohmann kürzlich am Rande der weltgrößten Tourismusmesse ITB in Berlin. Terrorangst drückt die Buchungen naturgemäß nach unten. Das bekamen die Destinationen Türkei und Länder in Nordafrika in den vergangenen Jahren deutlich zu spüren. „Niemand will im Urlaub erschossen werden“, so Lohmann.

Eine „leichte Belebung“ der Nachfrage verzeichnet Thomas Cook heuer auch bei den Buchungen für Ägypten. „Die Nachfrage ist wieder da - es wurde ganz schnell aufgerüstet, was die Flüge angeht, und die Preise sind sehr niedrig“, sagte Afukatudis. „Von den guten Jahren sind wir aber noch entfernt“, räumte er ein. Das Vertrauen der Touristen sei nun jedenfalls wieder stärker gegeben. Im Tunesien-Geschäft hingegen ist noch keine Entspannung in Sicht.

Als (preiswerte) Alternative zur Türkei und zu den kriselnden Destinationen in Nordafrika hat der Reiseveranstalter Bulgarien positioniert. Mittlerweile sei das Land in der Gunst der Österreicher sehr gut verankert und sei nun das viertbeliebteste Flugreiseziel.

Die Sorge der Touristen vor weiteren Anschlägen in der Türkei hat die Reiseströme der Europäer in den vergangenen Jahren aber vor allem in Richtung Spanien und Griechenland verlagert. Bei der TUI Österreich ist Griechenland die stärkste Destination, bei Thomas Cook ist es Spanien - vor allem die Baleareninsel Mallorca. Einen Strich durch die Rechnung machte den Reiseveranstaltern in der zweiten Jahreshälfte 2017 die Pleite des Ferienfliegers Niki infolge der Insolvenz des deutschen Mutterkonzerns Air Berlin.

„Durch die Flugsituation ex Österreich hatten wir - wie die ganze Branche - kleine Rückschläge, die sich jetzt wieder stabilisiert haben“, berichtete Afukatudis. Dem Reiseanbieter fehlten im Winter Flüge auf die Kanaren - die Rückgänge infolge der Insolvenz seien inzwischen aber wieder aufgeholt worden. Den weltgrößten deutschen Tourismuskonzern TUI belastete die Zahlungsunfähigkeit von Niki im ersten Geschäftsquartal 2017/18 (Oktober bis Dezember 2017) früheren Angaben zufolge mit 20 Mio. Euro.

Die Fluggesellschaft Niki ging im Zuge eines Bietergefechts im Rahmen des Insolvenzverfahrens an Unternehmensgründer und Ex-Formel-1-Fahrer Niki Lauda und firmiert fortan unter dem Namen „Laudamotion“. Der deutsch-britische Thomas-Cook-Konzern ist mit der unternehmenseigenen Airline Condor eine Partnerschaft mit Lauda eingegangen.

„Condor stellt die gesamte Infrastruktur im Sales-Bereich und den Service ab Deutschland und der Schweiz für die Laudamotion-Flüge, in Österreich haben wir keine Condor“, erklärte Afukatudis. Dabei werde überwiegend Spanien bedient - vor allem Palma de Mallorca, aber auch die Kanaren. Die Tochter-Airline des Reiseveranstalters verkaufe die Flugsessel auch über die eigene Website. Zusammen mit Laudamotion habe Condor für Urlaubsdestinationen eine sehr gute Marktposition ab Düsseldorf, so der Thomas-Cook-Österreich-Chef.

(by APA)

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