Lufthansa: Übernahme großer Teile von airberlin

Zwei Monate nach der Pleite ist die Übernahme eines großen Teils der insolventen Fluggesellschaft airberlin durch die Lufthansa unter Dach und Fach. Damit gehen voraussichtlich bis Jahresende 81 der zuletzt gut 130 Flugzeuge der airberlin-Flotte an Eurowings, darunter auch die österreichische Tochter NIKI und der Regionalflieger LGW, die beide nicht insolvent sind.

Die Lufthansa zahlt für die Übernahme großer Teile der insolventen airberlin voraussichtlich etwa 210 Mio. Euro. Darauf haben sich die insolvente airberlin und die AUA-Mutter Lufthansa geeinigt, wie airberlin am Donnerstag mitteilte. Der Preis könne aber noch angepasst werden, wenn der Kaufvertrag vollzogen wird.

Die Lufthansa übernimmt demnach die Tochtergesellschaften NIKI und Luftfahrtgesellschaft Walter mit zusammen 1.300 Beschäftigten sowie 20 weitere Flugzeuge der airberlin. Mit dem Bieter easyJet werde weiter verhandelt.

Mit dem Lufthansa-Geschäft sollte airberlin in der Lage sein, den Bundeskredit von 150 Mio. Euro zurückzuzahlen, der die Airline seit dem Insolvenzantrag vor zwei Monaten in der Luft hält. Die Gläubiger haben noch nicht über den Verkauf entschieden, zudem wird die europäische Wettbewerbsbehörde in Brüssel das Geschäft prüfen.

Man werde einen echten Meilenstein in der Geschichte von Lufthansa und Berlin sehen, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. „Heute in wenigen Stunden mit der Unterschrift wird die Lufthansa-Gruppe endgültig wieder zum Heimatcarrier für Berlin.“ Schließlich sei die Kranich-Airline 1926 in Berlin gegründet worden.

Die Aktien von Lufthansa und airberlin reagierten mit Kurssprüngen auf die Übernahme. Der Kurs der Lufthansa-Aktie legte um fast drei Prozent zu. Für die zuletzt besonders schwer gebeutelten Papiere von airberlin ging es um fast 23 % nach oben.

Die NIKI-Mutter airberlin – die nach dem AUA-Mutterkonzern Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie – hatte Mitte August 2017 Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb seitdem war nur durch einen Kredit des deutschen Staats über 150 Mio. Euro gesichert.

Die Geschäftsführung hatte drei Wochen lang exklusiv mit dem deutschen Marktführer Lufthansa sowie mit dem britischen Billigflieger easyJet über den Verkauf von Teilen des hoch verschuldeten Unternehmens verhandelt. Fraglich war zuletzt, ob auch eine Einigung mit easyJet gelingt. Der Billigflieger soll kleinere Teile von airberlin übernehmen. Spekuliert wird, ob im Falle eines Scheiterns die Thomas-Cook-Tochter Condor wieder als möglicher Käufer ins Spiel kommt.

Spohr hatte der „Rheinischen Post“ (Donnerstag) gesagt, Lufthansa werde von airberlin „voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen, 3.000 Mitarbeiter einstellen und dafür in Summe 1,5 Mrd. Euro investieren“. airberlin hatte mitgeteilt, die Airline sehe gute Chancen, dass etwa 80 % der 8.000 Mitarbeiter bei anderen Unternehmen einen neuen Arbeitsplatz erhalten könnten.

Spohr kündigte zugleich ein Angebot an, „um im Ausland gestrandeten Passagieren der airberlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben“. Aus Lufthansa-Kreisen hieß es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es dabei gehe. Seit 25. September 2017 ist bekannt, dass airberlin alle verbliebenen Langstreckenflüge am 15. Oktober 2017 einstellt.

Generell wird airberlin voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen, wie es in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter vom Montag hieß. Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB „nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab 28. Oktober 2017 nicht mehr möglich“. Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit. Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter NIKI und LG Walter soll weitergeführt werden.

(by APA)

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